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Sagenwelt des Erzgebirges |
Pobershau und das gesamte Erzgebirge verfügen über einen reichen Sagenschatz, der von den Menschen über viele Generationen bis in unsere Gegenwart weitergegeben wurde.
Berggeister, weiße Frauen, Waldweiblein- und männlein, böse und gute Ritter - all diese Wesen traten zu unterschiedlichen Zeiten an verschiedenen Orten in Erscheinung und noch heute kann man ihnen mit etwas Glück (oder auch Pech...) in unseren Wäldern, Bergwerken, Flußtälern und Hochmooren begegnen...
In der folgenden Übersicht finden Sie sagenhafte Begebenheiten in und um das Bergdorf Pobershau und seinem Ortsteil Rittersberg. Viel Freude beim Lesen und Erwandern der "Originalschauplätze".
Der Berggeist
Ein armer Bergmann, Gottlob Günther mit Namen, fuhr eines Tages in die Karl-Fundgrube ein. Da sah er plötzlich einen fremden Steiger. Dieser trug ein helles Licht. Gottlob folgte ihm durch die Gänge. An einem Gangkreuz bog der Steiger nach rechts ab und war plötzlich verschwunden. Gottlob ging nach links, denn dort war sein Arbeitsplatz. Aber der Erzgang war wenig fündig.
Noch am selben Tag kam der Schichtmeister mit zwei Gewerken. Sie beschauten sich den Stoß, fanden ihn nicht mächtig genug, und die letzte Schicht wurde ausgerufen. Gottlob Günther verlor Arbeit und Brot. Wäre er dem Berggeist gefolgt – denn kein anderer war der fremde Steiger mit dem Licht – dann hätte er gewiss einen reichen Anbruch gefunden. So aber musste er, seine Frau und seine Kinder hungern und darben.
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Heinrich der Fromme auf dem Zechenhaus zum Molchner Stollen
Herzog Heinrich besuchte einstmals das Zechenhaus zu Pobershau, den Molchner Stollen zur 8.Maß, genannt. Ihm wurden etliche Tröge eben gefördert und sehr gediegenes Glaserz vorgetragen. Er warf eine „Berg Part“ (Bergbarte) hinein, dass sie steckenblieb, und rief: „Bei Marien, das ist gut Erz.“ Darauf fragte der Richter aus der Schlette, namens Traunter: „Herr, wie soll denn die Stadt heißen, da solch gut Erz gebrochen wird?“ Ihm antwortete der Herzog: „Ich habe jetzt gesagt: Marien. Macht ihr den Berg dazu. Weils am Berg liegt, soll sie Marienberg heißen.“
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Vom Ursprung des Dorfnamens Rittersberg
Das Dörfchen Rittersberg bei Marienberg soll seinen Namen von einem Besitzer des Schlosses Lauterstein haben, und zwar, als es belagert wurde, soll der Besitzer, welcher ein Räuber und Schwarzkünstler war, mit einem Pferde herab auf eine Wiese gesprungen und das Pferd darüber in der Erde steckengeblieben sein. Hierauf habe er sich auf dem Berg, wo das Dörfchen liegt, retirieret, und er sei alsdann dort gefangen worden. Von diesem ritterlichen Sprunge habe darauf erwähntes Dörfchen den Namen Rittersprung und nach der Zeit Rittersberg bekommen.
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Das Raubschloss auf dem Rabenberg
Noch jetzt kann man, wenn auch nur geringe, Überreste einer ehemals auf dem Rabenberg gestandenen Burg wahrnehmen.
Sie wurde von einem Ritter bewohnt, der mit seinen Reisigen die weite Umgebung unsicher machte, beraubte, brandschatze und in Schrecken versetzte.
Wiederholt wurde „Liebenstein“, so war das Schloss geheißen, belagert und gestürmt, doch vergeblich. Es schien uneinnehmbar. Heimtückisch war auch die Kampfweise seiner Bewohner. Diese warfen unter anderem während des Kampfes vom Ringwall der Burg Fußangeln aus, die so konstruiert waren, dass sie sich sofort fest in den Boden verankerten. Wehe dem Angreifer, der sich darin verfing. Er kam nicht wieder los. Um all diesem Treiben ein Ende zu setzen, soll Rudolf von Habsburg 1210 auf dem Fürstentag zu Grimma endlich Annarich von Waldenburg den Auftrag erteilt haben, das Raubschloss zu vernichten, was dann später auch geschehen ist.
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Das Fegeweib vom Katzenstein
In der letzten Zeit des Mittelalters lebte ein wilder Raubritter auf einer Burg, die auf dem Katzenstein, der am Schwarzwasser unweit Pobershau zwischen Zöblitz und Marienberg gelegen ist, und machte die ganze Umgebung durch seine Untaten unsicher.
Da beschlossen denn die in der nächsten Umgebung ansässigen Ritter, diesem Treiben ein Ende zu machen. Sie rückten also vor die Burg, umschlossen sie aufs engste und fingen an, sie aus Karthausen und Feldschlangen zu beschießen. Allein die Kugeln fielen, so wie sie die Mauer trafen, kraftlos und unschädlich nieder, denn auf der Mauer stand die alte Amme des Ritters, welche mit dem Teufel im Bunde war, hatte einen Besen in der Hand und fegte mit dem selben die fliegenden Kugeln aus der Luft weg. Sie selbst traf natürlich keine derselben, ebenso wenig wie irgendjemanden im Schloss.
Schon wollten die Belagerer schier verzweifeln, da trat der Burgkaplan eines Ritters auf und sprach, er wolle die Kugeln segnen, denn er wisse einen Spruch, dem nichts wiederstehen könne. Die erste Kugel, die man abschoss, schmetterte die Hexe zu Boden, die zweite machte ein großes Loch in die Mauer, und nicht lange dauerte es, so war die feste Burg so zerschossen, dass sie Mannschaft auf Gnade und Ungnade sich ergeben musste.
Der böse Ritter ward hingerichtet und seine Burg der Erde gleichgemacht.
Noch heute soll man um Mitternacht bei Mondenschein die gespenstische Amme die Trümmerhaufen fegen sehen.
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Wie die Steine in den Schwarzwald kamen
Einst zog ein Bettelweib durch Rittersberg. Es kam auch zu den Köhlern, die wegen ihrer Hartherzigkeit bekannt waren. Schon oft hatten sie ihre Hunde auf Arme gehetzt, die um ein Nachtlager oder um ein Stück Brot baten. Als die Köhler die Hunde auf das Bettelweib hetzten, hob das einen Stein auf, spuckte darauf und sprach: „Werdet zu Stein!“ Da grauste es die Köhler. Sie wollten fliehen, aber sie kamen nicht weit, denn kurz darauf erfüllte sich der Fluch. Die großen Steine unterhalb der Scheibe sollen verwunschene Köhler, die kleinen zu ihren Füßen sollen die Hunde sein.
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Die Teufelsmauer
Gegenüber dem Nonnenfelsen erhebt sich ein Felsgebilde, das man die Teufelsmauer nennt. Es wird erzählt, dass der Teufel beim Kampf um die Burg der Amme zu Hilfe kam. Um die drohende Niederlage abzuwenden, wollte er die Angreifer im Tal erschlagen. Er riss die zerschossene Burgmauer mitsamt einem Stück Fels, auf dem sie stand ab, und wollte sie auf die Köpfe der Soldaten hinab schmettern. Doch die geweihten Kugeln trieben sie talaufwärts. In Höhe des Nonnenfelsens konnte er die Mauer nicht mehr halten. Sie glitt ihm aus den Händen und sauste in die Tiefe. Gegenüber dem Nonnenfelsen blieb sie für alle Zeiten in der Erde stecken.
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Die Ringmauer
Neben dem Katzenstein erhebt sich ein Felsmassiv, das als Ringmauer bekannt ist. Die Ringmauer soll ebenfalls das Werk des Teufels sein. Die Sage berichtet, dass der Teufel die Angreifer ersäufen wollte. Dazu musste er das Schwarzwasser stauen. Doch fehlte ihm ein Staudamm. Er griff nach einem riesigen Felsstück und krümmte es mit seinen Händen, dass ihm die Adern auf die Stirn traten. Das halbrunde Gebilde stellte er quer zur Flussrichtung. Doch wie erschrak er, als er sein Werk betrachtete. In seinem Eifer hatte er die Mauer stark gekrümmt, so dass sie nicht von seiner Talseite zur anderen reichte. Rechts konnte die Schwarze Pockau ungehindert vorbeifließen.
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Das Gespenst im Schwarzwald
Im Schwarzwald bei Rittersberg hauste vorzeiten ein Gespenst. Es foppte und narrte die Köhler. Einst saß ein Köhler mit seinem Hund am Feuer, als er es aus dem Baumwipfel rufen hörte: „Huschaukel, mich frierts!“ Darauf erwiderte der Köhler: „Komm runter, wärm dich!“ „Ich käm schon“, sagte das Gespenst, „Wenn mir dein Katzel nichts tät.“ Darauf der Köhler: “Mein Katzel tut dir nichts.“ Kaum hat er das gesagt, wurde er mitsamt seinem Hund in Stein verwandelt.
Ähnlich erging es einem zweiten Köhler. Doch als das Gespenst sagte: „Wenn mir dein Katzel nichts tät.“ Antwortete der Mann der Wahrheit gemäß: „Mein Hund tut dir nichts!“ Da heulte das Gespenst wild auf. Es fiel vom Baum und suchte hinkend das Weite. Seither hat man es im Schwarzwald nie wieder gesehen.
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Das steinerne Herz im Schwarzwasser
Im Schwarzwassertale lag einst eine Zeche, „Trau auf Gott!“ genannt. Als der Besitzer derselben Knappen versprach, dass derjenige von ihnen, welcher zuerst eine reiche Silberader finden und dieselbe anhauen werde, die Hälfte der Ausbeute erhalten solle, da regten sich mit verdoppeltem Eifer die Hände der fleißigen Knappen. Aber manche Schicht wurde verfahren, und es zeigte sich doch immer taubes Gestein, so dass endlich Unmut an der Stelle der Hoffnung in den Herzen Platz griff. Ein Knappe war es endlich nur noch, welcher in der Grube fortarbeitete; er gönnte sich kaum die nötige Ruhe, so dass er auch in den Nachtstunden seine Schicht verfuhr. Da geschah es einmal um Mitternacht, als er bekümmerten Herzen ein Gebet zum Himmel sendete, dass ihm der Berggeist im hellen Lichte erschien und einen Gang zeigte, aus dem bald das reichste Erz brach.
Froh eilte mit Tagesanbruch der Knappe zu seinem Herrn und verkündete ihm das große Glück. Beide stiegen in den Schacht hinab, wo ihnen das Silbererz entgegen leuchtete. Als aber der Knappe den Herrn an sein Versprechen erinnerte, stand der Eigner schweigend und überdachte, wie viel Reichtum er verschenken müsse, wenn er sein Versprechen halten wollte. Die Habsucht verhärtete sein Herz und er beschloss, den unbequemen Mahner heimlich aus dem Wege zu schaffen.
Aus der Grube tönte jähes Angstgeschrei hinauf, dann war es still. Der Knappe fuhr nicht mehr hinauf zum Tageslichte, und sein Weib und seine Kinder mussten, da ihnen der Ernährer so plötzlich genommen war, betteln gehen. Die Grube „Trau auf Gott“ aber blieb von Stund an verlassen, denn der Berggeist nahm wieder, was er so reichlich geboten hatte. Der Grubenherr fand die verdiente Strafe, denn er verfiel höllischen Mächten. Sein von Reue gequältes Herz jedoch wuchs zum riesengroßen Steine, der heute noch als „Steinernes Herz“ in den Fluten das Schwarzwassers liegt.
„Eidbruch und die Sucht nach Erz
Räumt dem Bösen Wohnraum ein,
Macht das Menschenherz zu Stein.“
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